Bienenbeute 3 – Bau der Oberträgerbeuten

Zur Erinnerung: Mein Ziel war es, Oberträgerbeuten (Top Hive Bar) zu bauen, welche entsprechend isoliert sind, damit es in den Beuten zu keiner Schimmelbildung kommen kann und zugleich ein entsprechendes Habitat für den Bücherskorpion entsteht.
Bücherskorpione benötigen Risse und Spalten zum Einspinnen und keine glatt gehobelten Oberflächen. Deshalb wurde bewusst nicht „perfekt“ gearbeitet und im Nachhinein wurden sogar kleine Vertiefungen mit dem Stemmeisen geschlagen! Eine Bienenbeute ist kein Möbelstück, zumindest jene nicht, wo ein Bücherskorpion beheimatet werden soll.
Der Bau hat mehrere Wochen gedauert und war dementsprechend umfangreich. Ob sich der gesamte Aufwand auch lohnen wird, wird sich aber erst im Betrieb zeigen. 
Jetzt warte ich gespannt, ob ich im Mai/Juni auch 4 Stk. Naturschwärme bekommen werde. Sobald dann die Bienen einziehen werden, beginnt die „Jagt“ auf den Bücherskorpion! Ich berichte. 🙂

Wer Interesse an einer alternativen Bienenhaltung hat, den Bau aber selber nicht machen möchte, dem sei der Bienenschutzgarten wärmstens empfohlen!

Hier beim Befüllen mit Flachsfasern


Pläne erstellen und Holzkauf
Zu allererst wurde am PC mittels einem 3D Cad Programm die Oberträgerbeute konstruiert und daraus eine Holzauszugsliste generiert. Gekauft wurde sägeraues Lärchenholz mit 35 mm Stärke aus heimischer Herkunft.

Besäumen, Bretter hobeln, Leimholz herstellen
Trotz Verschnittzuschlag bei der Bestellung wurde das Lärchenholz zu wenig, deshalb musste ich es leider mit teurem Akazienholz (Robinie) ergänzen. 🙁
Gehobelt wurden die Bretter auf der neuen Hammer A3-41. Siehe hier.
Für die Verleimung kam Weißleim in D4-Qualität (wasserfest) zum Einsatz.

Zusammenbau
Die Fluglöcher (50 mm) wurden vor dem Zusammenbau gebohrt. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Löcher innen und außen nicht fluchteten.
Tipp: Auch wenn es später schwieriger wird, würde ich die Löcher zukünftig erst nach dem Zusammenbau bohren.
In der Mitte der Rückseite soll das Sichtfenster aus Glas eingebaut werden.

Ökoboden
Der Ökoboden wird zur Reinigungserleichterung klappbar ausgeführt. Später im Betrieb soll der Ökoboden mit Sägespänen und Kleinstroh für das Mikroklima befüllt werden.

Schaufenster, Trennschied
Ein Schaufenster aus Echtglas an der Rückseite soll einem das Beobachten der Bienen ermöglichen, ohne dass sie gestört werden. Da der Innenraum viel zu groß geraten ist, (siehe hier) erfolgt eine Abtrennung in der Mitte. Das bedeutet, dass nun 2 x 60L Volumen in einer Oberträgerbeute zur Verfügung stehen. Zwei Beuten wurden gebaut, d.h. vier Bienenvölker könnte ich nun in Summe unterbringen.

Oberträgerherstellung
Auf diesen Oberträgern sollen später die Bienen ihre Waben anbringen. Die Breite eines Oberträgers beträgt 35 mm. Die Oberträger werden zueinander ohne Luftspalt gesetzt. Dies bedeutet u. a. auch, dass sich damit keine Bienen zwischen Oberträger und Klimadeckel befinden werden.

Klimadeckel
Der 180 mm hohe Klimadeckel soll später mit Holzspänen gefüllt werden, um durchlässig für die aufsteigende Luftfeuchte zu sein und zugleich eine Wärmeisolierung darzustellen, welche u.a. auch Schimmelbildung verhindern soll. Zur Begrenzung der Holzspäne kommt ein dicker Vorhangstoff aus Leinen und Baumwolle zum Einsatz.

Dach
Das Satteldach soll ebenso klappbar ausgeführt werden. Auch ein Zerlegen ohne Werkzeug ist jederzeit bei Bedarf möglich. Ein Lüftungsloch unterhalb der Dachbretter soll einen Luftzug ermöglichen und damit eine Kühlung im Hochsommer bewirken.

Flugloch, Windeln, Einschübe und Zusammenbau
Der Eintritt in den Brutraum erfolgt für die Bienen über ein 120 mm lang gedrechseltes Rohr. Zwecks Varroakontrolle werden sogenannte Windeln benötigt. Diese Windeln decken den Ökoboden vollständig ab und werden nur zweimal im Jahr kurz zur Zählung eingesetzt. In der übrigen Zeit werden die kurzen Einschübe eingesetzt, um Kontakt mit dem Ökoboden zu ermöglichen und einen Luftzug zu vermeiden.
Dach und Klimadeckel können weggeklappt werden. Ein Edelstahlseil begrenzt den Öffnungswinkel.

Oberträgerbeute aufstellen
Der Standort wurde von mir ausgependelt. Bienen sind nämlich Strahlensucher.
Ein angrenzender Eichenbaum bestätigt die richtige Position.
Ausgerichtet wird die Beute in Richtung Süd-Süd-Ost, damit die Morgensonne die Beute in der Früh gleich erwärmt.
Einschlagbare und verstellbare Bodenhülsen erleichtern das Ausrichten der Holzsteher.

Update 27.03.2020:

Oberträgerbeute isolieren
Die Zwischenräume wurden mit Flachsfasern isoliert. Der Klimadeckel wurde einmal mit Flachsfasern und einmal mit Sägespäne isoliert. Der Ökoboden wird später mit original „Umgebungsgemisch“ (Staub, Heu, Stroh) des Bücherskorpions befüllt.

Fertige Oberträgerbeute
Hier ein paar Bilder von den beiden fertiggestellten Oberträgerbeuten.

Trachterweiterung
Wie ja allgemein bekannt sein dürfte, ist ja das Nahrungsangebot (Tracht) für die Insekten (Bienen) nicht mehr das, was es einmal war. Neben der Edelkastanie soll ja eine der wichtigsten Trachtpflanzen der Bienenbaum sein. Die Blüten tragen nahrhaften Pollen und Nektar. Angeblich reicht der Pollen aus drei Blüten schon aus, um eine Biene zu versorgen. Siehe hier. Deshalb habe ich gleich vier Stück angesetzt. Leider blühen die erst ab dem vierten Jahr ☹ . Aber irgendwann muss man ja anfangen! Und in der Zwischenzeit sollen mehrere Wildblumeninseln eine Trachtunterstützung bieten.
Gegen den Beutekäfer kommen meine Hühner zum Einsatz 🙂

Werkstattbilder
Erst nachdem das Projekt abgeschlossen ist, beginnt das große Aufräumen!

Hier geht’s zu den anderen Beiträgen

Bienenbeute 2 – Was sind den Bücherskorpione?

Bienenbeute 1 – Was hat eine Hobelmaschine mit Bienen zu tun?

 

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